Warum sich Android-Flaggschiffe nicht lohnen

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Vom billigen No-Name-Gerät bis zum teuren Flaggschiff, Smartphones sind nicht mehr aus unserem Alltag wegzudenken. Dabei hat ein Smartphone eine erstaunlich geringe Lebensdauer, klar stechen darunter Android-Geräte hervor.

Wegwerfartikel Smartphone

Die Lebensdauer eines Smartphones beträgt im Durchschnitt gerade einmal zwei Jahre. Das liegt nicht daran, dass die Kunden schnell das neuste vom Neuen wollen, sondern schnell das neuste Modell haben sollen. Das sichert den Absatz der Hersteller und wird mit möglichst günstigen und verschleißanfälligen Einzelteilen garantiert. Dieses Vorgehen nennt sich geplante Obsoleszenz.

Wir leben in Zeiten eines erhöhten Umweltbewusstseins, debattieren über generelle Verbote von Plastikgeschirr, Plastiktüten, Trinkhalme und sogar das Auto befindet sich im Dauerfeuer. Doch finden dabei andere Alltagsgegenstände wie das Smartphone absurd wenig Erwähnung.

Updates

Das Wort Updategarantie liest man inzwischen häufiger. Wie der Name schon sagt, werden für das entsprechende Gerät Softwareaktualisierungen bis zu einem festgelegten Datum garantiert. Wird der Termin überschritten, erhält der Kunde keine Versions- und keine Sicherheitsupdates mehr. Ab dann ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis die ersten Apps nicht mehr lauffähig sind und nach einer neueren Systemversion verlangen. Somit kann man praktisch sagen, dass das Smartphone tot ist.

Nicht mehr lauffähige Apps sind noch gar nicht das schlimmste, denn es gibt auch keine Sicherheitsupdates mehr. So oder so verläuft die Auslieferung von Android-Patches schleppend, demnach lässt sich absehen, dass das Smartphone schnell zum Sicherheitsrisiko wird. Überlebt also die Hardware des mobilen Telefons diesen Zeitraum, sollte man wenigstens auf Banking-Apps o. ä. verzichten.

Obwohl Google seit Jahren die Fragmentierung eindämmen und damit auch die Lebensdauer seines Betriebssystems erhöhen will, sieht es für das hauseigene Pixel Phone kaum besser aus. So erschien beispielsweise das Google Pixel 3 im November 2018 und soll nur bis 2021 Versions- und Sicherheitsupdates erhalten. Drei Jahre für ein Gerät, das zu einem Preis von 849,00 Euro (Normalversion) bzw. 949,00 Euro für die größere XL-Version verkauft wird.

Android-Flaggschiffe lohnen sich nicht

Schauen wir uns auf dem Smartphone-Markt um, gibt es inzwischen nur noch das Apple iPhone und Android-Geräte vieler unterschiedlicher Hersteller. Preise von günstigen 30,00 Euro bis 2.000,00 Euro sind möglich. Ja es gibt noch speziell gefertigte Luxusgeräte, so kann zum Beispiel ein Goldvish Eclipse – Desiring Arcadia – Onyx Alligator schlappe 92.900,00 Euro kosten.

Bleiben wir im Consumer-Bereich, zeichnen sich Android-Smartphones mit einem hohen Wertverlust aus. Hat das Gerät erst den EoL (End of Life)-Status erreicht, gibt es für Unter- und Mittelklasse-Geräte keinen nennenswerten Wiederverkaufswert. In Relation zum Kaufpreis ist der Restwert ebenso bei Oberklassegeräten so niedrig, dass er sich (variierend je nach Hersteller) nur noch in den unteren Zehnteln bewegt.

Sicherlich spielt der Status bei verschiedenen Zielgruppen eine Rolle, meistens sind aber die Ansprüche an ein Gerät kaufentscheidend. Kamera, Speicherplatz, Arbeitsspeicher und/oder Prozessorgeschwindigkeit. Kauft man also exakt nach diesen Kriterien, nutzt im Dauereinsatz leistungsintensive Apps und eine gute Kamera, spricht nichts gegen ein Flaggschiff. Falls aber nicht, stellt sich unter Berücksichtigung der kurzen Lebensdauer der Hardware, der mangelhaften Patchzyklen, der begrenzten Systemupdates und des geringen Wiederverkaufswertes die Frage, welcher Grund tatsächlich für ein Flaggschiff spricht.

Vorreiter Apple

Apple ist nun nicht gerade bekannt für preisgünstige Geräte, seien dies nun Desktop-Computer, Notebooks oder Smartphones. Das günstigste, neue iPhone (XR, 64 GB-Variante) kostet derzeit schlappe 849,00 Euro. Vernachlässigt man die übliche Glaubensfrage iOS vs. Android, geschlossenes vs. offenes System oder Apple vs. Google, hat Apple in den Bereichen Lebenszyklus, Updates, Anschaffungs- und Wiederverkaufswert klar die Nase vorn.

Im Durchschnitt wird ein iPhone sieben Jahre mit Updates versorgt, wobei sich der Zyklus mit neueren iPhone-Modellen durch die Jahre sogar noch verlängert hat. Parallel dazu läuft auch der Hardware-Lebenszyklus und bekanntlich bewegt sich auch der Wiederverkaufswert von Apple-Geräten auf hohem Niveau.

Ist man also in der Lage sein Gerät sorgsam zu behandeln und rechnet Pi Mal Daumen mit den reinen Durchschnittswerten, macht ein Apple iPhone im typischen Hochpreisbereich gleichzeitig drei Android-Flaggschiffe in einer vergleichbaren Preisklasse – im selben Zeitraum von sieben Jahren. Theoretisch hätte man mit dem iPhone also zwei Androiden „gespart“. Und auch noch im Mittelklassebereich klappt diese Rechnung.

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