Tuning-Tools: Vorsicht vor Optimizer, Cleaner und Booster

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Wer kennt nicht die vielen „hilfreichen“ Tuning-Tools, die sich Optimizer, Cleaner und Booster nennen. Sie sind massenhaft in Download-Portalen bekannter Computer-Fachzeitschriften vorzufinden und als unfreiwillige Beigabe bei vielen bekannten Programmen. Egal ob für Windows, macOS oder sogar Smartphone-Betriebssysteme, die nützlichen kleinen Helfer-Programme sollen Ihr System aufräumen und beschleunigen, Speicher freigeben, die Registry ausmisten, Spyware entfernen, Systemprobleme lösen und viele versprechen sogar, sie könnten den Arbeitsspeicher verdoppeln.

Wie arbeiten Tuning-Tools?

In Wirklichkeit überhaupt nicht. Die Meisten dieser Programme greifen auf systemeigene Wartungsprozesse bzw. Skripte zu, die jedes Betriebssystem regelmäßig automatisch ausführt. Es handelt sich dabei schlicht um „Placebo-Software“. Daneben gibt es aber auch noch Tools, die überhaupt nichts tun, sogenannte Schlangenöl-Software. Es stellt sich nun natürlich die Frage, warum sich der Hersteller eines solchen Programms die Mühe machen sollte es zu entwickeln, wenn es doch nichts bewirkt odert das Betriebssystem alle diese Arbeiten ausführt.

Es gibt kostenlose und kostenpflichtige „Tuning-Tools“. Beide Sorten installieren meist Spyware und andere Hintergrundprogramme mit, die entweder spionieren, Schadprogramme einschleusen oder den Nutzer mit unzähligen Toolbars, „Helfern“, Werbung und anderem beglücken. Diese Tools helfen bei Spyware? Im Gegenteil! Kostenlose Optimizer, Cleaner und Booster haben immer „Premium-Funktionen“ und werden immer Probleme auf Ihrem PC finden. Diese lassen sich erst lösen, wenn Sie bereit sind dafür zu bezahlen. Tuning-Tools sind eine ausgeklügelte Werbestrategie!

Tuning-Tools: Vorsicht vor Optimizer, Cleaner und Booster

„Scareware“

Sie haben ein Problem mit Ihrem PC, haben sich ein Tuning-Tool heruntergeladen, dieses Tool hat Ihren Fehler gefunden und nun kommt die böse Überraschung: Um das Problem zu bereinigen, sollen Sie die Premium-Version des Programms kaufen. Wie im obersten Abschnitt bereits über Tuning-Tools zu lesen ist, handelt es sich dabei um die typische „Masche“. Rot blinkende Fenster, bedrohliche Warnhinweise und Stichworte wie: „Datenverlust! Virus! Alarm! Programmfehler! Absturz!“ sollen Sie in Angst und Schrecken versetzen, damit Sie schnell die Kreditkarte zücken und kaufen – das nennt sich Scareware. Schadsoftware, die Sie sprichwörtlich an der Nase herumführt, denn wenn Sie kaufen kommt gleich die zweite Überraschung: Das Programm wird Ihr Problem nicht lösen, sofern es überhaupt ein reales Problem gibt.

Arbeitsspeicher-Verdopplung und CPU-Beschleuniger? Unsinn!

Theorie und Praxis unterscheiden sich oft. In der Theorie soll solche Software den physischen Arbeitsspeicher (RAM) durch Komprimierung bzw. Erweiterung der virtuellen Speicherverwaltung die Kapazität des Arbeitsspeichers verdoppeln. Dumm nur, dass die meisten Betriebssysteme das schon von ganz alleine tun. Diese Programme bewirken gar nichts – im Gegenteil. Um überhaupt den Arbeitsspeicher leeren zu können, muss ein solches Tool permanent aktiv sein und belegt dann selbst auch noch Speicher. Gleich sieht es auch bei „CPU-Beschleunigern“ aus. Das Programm im Bild unten benötigt im Standby 49% von 54% CPU-Auslastung und bewirkt damit genau das Gegenteil von dem, was es verspricht.

Tuning-Tools: Vorsicht vor Optimizer, Cleaner und Booster

Arbeitsspeicher optimieren? VORSICHT!

Es hat einen Grund, warum ein Betriebssystem den Arbeitsspeicher mit Prozessen belegt. Tatsächlich wird der vorhandene physische Arbeitsspeicher vom Betriebssystem sogar so effektiv wie möglich genutzt. Tuning-Tools bedienen sich dabei nur der Augenwischerei. Vereinfacht gesagt werden vorhandene Cacheinhalte aus dem Speicher in eine Auslagerungsdatei umverteilt. Der Speicher ist zwar für ein anderes Programm wieder frei, laufende Programme werden aber „abgedrängt“, dabei wird der Systemcache beeinträchtig. Durch das „Freigeben“ des Speichers kommt es so häufig zu sog. Seitenfehlern (Page fault), Lese-/Schreibfehlern, Verzögerungen in Anwendungen und anderen Problemen – im schlimmsten Fall kommt es auch zu Programmabstürzen und Datenverlust.

Allheilmittel Windows-Registry ausmisten?

Die Windows-Registry ist das Übel schlechthin und Schuld an allen Problemen, die Sie mit Ihrem System haben. Immer. Das liegt laut Tuning-Tool entweder an ungültigen, veralteten oder ungenutzten Einträgen. Wir können uns kurz fassen, ungültige Registry-Einträge werden von Windows ignoriert, sie führen keineswegs zu Problemen mit Ihrem System. Lassen Sie solche Programme Ihre Registry „reparieren“, kommt es eher zu Fehlern, denn nicht selten löschen diese Tools Registry-Schlüssel, die als unnötig empfunden werden, vom System aber in Gebrauch sind.

Optimierung

Automatisiert temporäre Internetdateien löschen, die Zwischenablage leeren, Miniaturansichten aufräumen, Speicherabbilder löschen und temporäre Systemdateien löschen. Ja, mit diesen Verfahren können Sie Speicherplatz auf der Festplatte freigeben, aber dazu brauchen Sie kein Tuning-Tool, denn das ist ebenfalls bereits in Ihr Betriebssystem integriert und funktioniert ohne Hintertürchen. Rechtsklick auf Ihre Festplatte, Eigenschaften, Bereinigung:

Tuning-Tools: Vorsicht vor Optimizer, Cleaner und Booster

Zusätzlich finden Sie über den gleichen Weg im Ernstfall auch Windows-Bordmittel wie „Scandisk“, welches die Festplatte auf Fehler überprüft oder die gute alte Defragmentierung, die Ihre Festplatte aufräumt und dem System durchaus einen kleinen Geschwindigkeits-Kick versetzen kann.

Tuning-Tools eignen sich für alte PCs?

Nein! Ihr altes Auto wird auch nicht schneller, wenn Sie ihm in der Waschanlage eine dicke Wachsschicht gönnen. Viel mehr sollten Sie sich in einem solchen Fall die Frage stellen, ob Ihr Betriebssystem noch für den alten Rechner geeignet ist. Dann hilft entweder ein Upgrade des PCs oder ein Downgrade des Betriebssystems auf eine ältere Version.

Tuning-Tools, nützlich für unerfahrene Anwender?

Ebenfalls nein. Windows, macOS, Linux, Android, iOS und alle anderen gängigen Betriebssysteme optimieren und warten sich selbst. Sind Sie unerfahren, ist es um so wichtiger, auf genau solche Software zu verzichten. Wirft man einen Blick in die Hilfeforen bei PC-Problemen, stellt man oft fest, dass genau diese Programme die Probleme erst verursacht haben. Viele Anwender installieren sich prophylaktisch Tuning-Tools – sparen Sie sich den Speicherplatz für die Programme, die Sie tatsächlich benötigen. Haben Sie ein Problem mit Ihrem System, wenden Sie sich an Fachpersonal, eine simple Support-Hotline oder an ein Internetforum, mit diesen Möglichkeiten lösen Sie Ihr Problem eher!

Fazit

Finger weg von Optimizer, Cleaner und Booster! Keines dieser Programme bringt Ihnen eine Verbesserung, löst eventuelle Systemprobleme, befreit Sie von Schadsoftware oder macht ein Rennpferd aus einem alten Esel. Mit Tuning-Tools können Sie Ihr System maximal kaputtreparieren. Gelöschte Systemwiederherstellungspunkte, Deaktivierung wichtiger Systemdienste, beschädigter Systemcache, Datenverlust und anderes sind die Folgen von Tuning Tools.

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