Huawei: Android-Lizenzentzug mit schweren Folgen für Google

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Aufgrund der verhängten Handelsbeschränkungen der US-Regierung gegen Huawei aufgrund eines unbelegten Spionageverdachts, haben viele amerikanische Zulieferer die Verträge mit dem chinesischen Hersteller aufgekündigt. Darunter auch Google, das Huawei die Lizenz für ihr Betriebssystem Android entzog.

Ebenfalls Microsoft ist vertreten, somit erhalten Huawei-Noteboks auch keine Windows-Lizenzen mehr. Für Smartphone-Bestandskunden bedeutet das, dass ihre Geräte keine aktuellen Sicherheitsupdates mehr erhalten. Erwartete Nachfolger-Geräte werden ohne Android-System auskommen müssen. Nicht nur das, auch bekannte Google Apps wie Chrome oder Gmail mitsamt dem Play-Store werden auf zukünftigen und bald auf Bestands-Geräten von Huawei fehlen.

Android-Lizenzentzug kaum ein Problem

Android ist ein Open Source-Betriebssystem (AOSP), also frei zur Verwendung für jeden Hersteller. Und dann gibt es noch die Version von Google mit den hauseigenen Apps. Hier wird Huawei also sicher nicht scheitern und von Grund auf ein neues mobiles Betriebssystem programmieren müssen.

So oder so, der Streit zwischen der US-Regierung und Huawei brach nicht über Nacht aus, daher war das chinesische Unternehmen längst auf diese Situation vorbereitet und zaubert wenig überraschend ein eigenes Betriebssystem aus der Schublade. Ark OS bzw. Hongmeng OS genannt, basiert auf der freien Open Source-Version von Android. Es soll mit dem größten, alternativen Android-Appstore Aptoide ausgestattet und bereits im zweiten Quartal 2020 freigegeben werden – in China sogar bereits Ende 2019.

 



Laut dem Unternehmen soll das neue Betriebssystem „auf allen Huawei Geräten“ verfügbar sein. Daher lässt sich also ableiten, dass auch Bestandskunden das neue Betriebssystem erhalten werden.

Bezeichnung noch unklar

HongmengOS soll die Bezeichnung des Huawei-Androids in China lauten, Ark OS außerhalb für den internationalen Markt. Offiziell bestätigt sind diese Angaben zwar nach wie vor nicht, feststeht jedoch, dass der Smartphonehersteller anstrebt, sein eigenes Ökosystem stark auszubauen und international marktfähig zu machen.

Schwere Folgen für Google

Es handelt sich bei Huawei nicht um irgendein asiatisches Nischenunternehmen, sondern um einen international tätigen Konzern, der gleichzeitig zweitgrößter Smartphonehersteller der Welt ist und einen erheblichen Marktanteil innehat. Den Folgen dürfte sich Donald Trump nicht wirklich bewusst sein, denn Huawei erfüllt mit Ark OS und Aptoide gerade den Traum vieler Android-Nutzer: Ein vorinstalliertes Android-Betriebssystem, frei von Google und dessen marktführendem Play-Store.

Im Frühjahr 2020 könnte somit Googles Android-Version erheblich Marktanteile einbüßen. Nicht nur das, auch für Huawei Notebooks ist das Betriebssystem vorgesehen und stellt damit eine große Konkurrenz für Microsoft Windows dar. Letztendlich könnte Ark OS sogar Android zum Sprung auf den Desktop verhelfen.

Google ist sich der Problematik bewusst. Unter dem Vorwand der Sicherheit der Nutzer bezüglich Ark OS, versucht der Suchmaschinengigant derzeit die US-Regierung zu überzeugen, den Bann zu lockern, um weiter Geschäfte mit Huawei zu machen. Ark OS ist zwar bereits patentiert, jedoch liegt noch nicht einmal eine Testversion vor, um dessen Sicherheit realistisch beurteilen zu können.

In Asien spielen Google-Dienste kaum eine Rolle, selbst die Suchmaschine ist dort eher unbeliebt. So oder so, Android sichert Google eine Vormachtstellung. Mit einem geschickten Händchen kann sich Huawei nun auch außerhalb Asiens weiter etablieren und Google Marktanteile streitig machen.

Andere Hersteller könnten nachziehen

Klar ist, sollte Huawei Ark OS erfolgreich etablieren können, werden andere Hersteller mit Eigenkreationen nachziehen. Damit würde sich zeigen, dass es auch ohne die Amerikaner mit etwaigen Handelsboykotten und besonders ohne Google geht.

Der größte Smartphonehersteller der Welt, das südkoreanische Unternehmen Samsung, könnte ihr eigenes System Tizen schnell wieder aus der Schublade holen und marktfähig machen. Auch für die Nutzer wäre das von Vorteil, sie wären freier und unabhängiger von Google und dessen Vorgaben, Apps und Extensions aus vorgeschriebenen Quellen zu installieren sowie andere Dienste zu nutzen.

Wie sich die Gesamtsituation entwickelt, bleibt natürlich erst einmal abzuwarten.

Update 30.06.2019

US-Präsident Trump hat die Blockade gelockert, sodass US-Chiphersteller Huawei nun wieder beliefern dürfen. Ein offizielles Statement von Huawei (sowie auch Google) gibt es derzeit noch nicht, jedoch lässt sich absehen, dass der chinesische Elektronikhersteller weiterhin an seiner Android-Alternative arbeiten und diese auch marktfähig machen wird.

Update 26.08.2019

Huawei gab inzwischen offiziell bekannt, dass das entwickelte Betriebssystem Harmony OS, in China allerdings Hongmeng OS heißen wird. Die ersten Geräte, die mit dem neuen System laufen sind Honor Vision und Honor Vision Pro. Es handelt sich dabei allerdings nicht um Smartphones, sondern um Smart TVs. Harmony OS soll in Zukunft auf einer großen Bandbreite an Geräten zum Einsatz kommen und stellt damit eine klare Bedrohung für Googles Ökosystem dar.

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Meni Ro

Es ist nur zu begrüßen,  wenn zu Google,  MS und Co ein weiterer globaler Anbieter von SW hinzukommt . Danke Mr. Präsident Trump! Mag sein, dass uns Huawei ausspioniert, doch ist die Nähe der US-SW Anbieter nicht auch vielfach thematisiert und die Alternativlosigkeit bedauert worden?